Czech Open II

(Renaissance Hotel, Prag, Tschechien, 19. bis 23. Juli 2000)

Weit über 100 Backgammonspieler versammelten sich in der tschechischen Hauptstadt Prag im Renaissance Hotel zur 2. Tschechischen Open. Das Hotel liegt bei der Stadthalle gleich um die Ecke, das wie die ganze Innenstadt von Prag auffällig durch den Jugendstil geprägt ist.

Die Organisation des Turniers war bei Michael Meyburg und der von seiner Frau Gayana geleiteten Crew in guten Händen. Mit Auktion, Quarter Entries, einem Seminar von Paul Magriel, Consultation Doubles und Team Turnier lief die Czech Open ziemlich exakt nach Zeitplan ab.


Denis Jersov (links) - Mario Sequeira (rechts)


Muncipal Hall Prag


Kent Goulding

Nach einem Sieg im Viertelfinale über den Russen Denis Jersov, dem späteren Sieger der Consolation, musste Mario Sequeira, der Europameister 1999 gegen den U.S. Amerikaner Kent Goulding im Semifinale antreten.

Die Letzten 16 der Czech Open II

Mike Corbett Jersov Sequeira Goulding Goulding
Denis Jersov
Mario Sequeira Sequeira
Werner Hertel
Ronald Reinhardt Granstedt Goulding
Jörgen Gransted
Bob Wilensky Goulding
Kent Goulding
Kristian Stegenborg Levermann Levermann Levermann
Johannes Levermann
Diego Heidenreich Ternel
Chris Ternel
X-22 Pappas Pappas
Dimitrios Pappas
Stevan Hammond Hammond
Hugh Sconyers
Das Knock-Out Turnier würde im "Best of Three" Modus mit Schachuhr ausgetragen und das dritte Match musste im Semifinale zwischen Mario Sequeira und Kent Goulding über das Weiterkommen ins Finale entscheiden.

Kent Goulding hatte (nach Snowie 3 Analysen) die bei weitem bessere Zugtechnik, machte allerdings bei den Dopplungsentscheidungen richtig dicke Fehler. Kents Fehler entpuppten sich allerdings am Ende als Matchwinner.

Hier ein Beispiel: Pos. 1

Kent Goulding führte im entscheidenden 11 Punkte Match mit 9:7 und hatte sich zu entscheiden, ob er die von Mario Sequeira angebotene Dopplung annehmen oder ablehnen sollte.

Schwarz führt im Rennen mit 22 Pips (146-168) und hat nur einen Mann hinten, während Weiß zwei hinten hat. Schwarz wirft mit Dreien oder Fünfen einen dritten weißen Stein nach hinten und hat mit der gemachten Bar die bessere Positionssubstanz.

Im Spiel um Geld ist Doppel-Take die korrekte Dopplungsentscheidung. Beim aktuellen Matchstand allerdings gewinnen nach Doppel-Take die Gammongewinne für Schwarz das Match.

Da Weiß ohne Anker ca. 20% der Partien gammon verliert, braucht er ca. 40% Gewinnchancen, um ein Take zu rechtfertigen. Weiß gewinnt in der Problemposition ca. ein drittel der Spiele - nicht genug für ein Take. Weiß hat ein klares Pass!

Kent Goulding nahm die Dopplung an und gewann am Ende das Rennen nach 6-6 und einer Doppel-4 im letzten Wurf, wobei er einen Pasch-4 oder höher brauchte. Das war der Einzug ins Finale für Kent.


Pos. 1: 11 Punkte Match
Kent Goulding (9) (Weiß) - Mario Sequeira (7) (Schwarz)
Schwarz ist am Wurf. Wie lautet die korrekte Dopplungsentscheidung?

Im anderen Semifinale musste Johannes Levermann gegen Dimitrios Pappas, dem Griechen aus Nürnberg spielen.Nach dem Gewinn des ersten Matches kredenzte Dimitrios Pappas Johannes Levermann ein 7% Match Equity Geschenk im zweiten Match und Levermann konnte in Matches ausgleichen.

Pos. 2: Da es einige Wurffolgen gibt, die sich als Market Loser herausstellen könnten, doppelte Johannes Levermann korrekterweise. Dimitrios Pappas braucht 31,5% Gewinnchancen, um den Doppler anzunehmen, da er diese Matchgewinnchancen behält, falls er den Doppler ablehnt. Weiß besitzt in der Problem Position das bessere Board und kann deshalb ca. 39% der Partien gewinnen. 


Dimitrios Pappas


Johannes Levermann

Gammons zählen nicht mehr nach Doppel -Take. Weiß gibt also ca. 7% seiner Matchgewinnchancen her, falls er den Doppler ablehnt.

Pappas lehnte den Doppler ab und verlor das Match.

Im dritten und entscheidenden Match führte Pappas mit 7-6 als Levermann ihn andoppelte. Doppel-Take lautete die korrekte Dopplungsentscheidung und der Grieche nahm an. Levermann warf zwei Joker (1-1 and 5-5), gewann das Spiel backgammon und damit auch das Match.

Im Finale gab Kent Goulding erneut eine Kostprobe seiner hervorragenden Zugtechnik (Fehlerrate nach Snowie 3 war 1,6!), sein Umgang mit dem Doppler raubte ihm allerdings einige Matchgewinnchancen.

Es stellte sich allerdings wie im Semifinale auch im Finale am Ende heraus, dass die vermeintlichen Fehler das Match gewannen.


Pos. 2: 11 Punkte Match
Dimitrios Pappas (9) (Weiß) - Johannes Levermann (9) (sw.)
Schwarz am Wurf. Wie lautet die korrekte Dopplungsentscheidung?

Pos. 3: Schwarz muss eine Eins und eine Sechs werfen, um die Prime mit seinem letzten Stein zu überspringen. Fast all seine Spielgewinne sind Gammongewinne. Schwarz ist allerdings nur knapp Favorit, das Spiel zu gewinnen (ca. 52,5%).

Mit 48% Gewinnchancen (ohne Dopplungseinsatz) ist Weiß zu oft in der Lage, sehr effektiv zurück zu doppeln (auf 8!), falls Schwarz sofort doppelt.

Schwarz sollte den Doppler behalten. Manchmal wirft Schwarz sofort eine Eins und kann dann auf gammon weiterspielen. Falls alles schief läuft, hat Schwarz keine allzu großen Einbußen in Matchgewinnchancen zu verkraften, da Schwarz nur sehr selten ein Gammon verliert. Falls alles gut geht, so gewinnt Schwarz 4 Punkte. Nachdem Schwarz den Cube behält, so lautet der Matchstand nach dem Spiel meist 5-0 oder 1-2. Nach einem Redoppel allerdings steht es meist entweder 1-8 oder 9-0.

Das Risiko ist den Gewinn nicht wert. Durch ein Redoppel büßt Schwarz ca. 4% seiner Matchgewinnchancen ein.


Pos. 3: 11 Punkte Match
K. Goulding (1) (Schwarz) - J. Levermann (0) (Weiß)
Schwarz am Wurf. Wie lautet die korrekte Dopplungsentscheidung?

Kent Goulding doppelte auf 4 zurück, warf 6-1, gewann ein Gammon und bald danach auch das erste 11 Punkte Match.

Im zweiten Match doppelte Johannes Levermann bei einer 2:1 Führung etwas zu früh und wurde mit einem Verlust von 4 Punkten bestraft.

Pos. 4: Selbst falls es Weiß gelingt, den letzten Stein von Schwarz auszuprimen oder auszuschließen, so gewinnt er nur selten ein Gammon, da die drei verbleibenden schwarzen Steine im Außenfeld bereits auf dem 7er-Punkt von Schwarz stehen. Schwarz führt im Rennen mit 27 Pips und ist deshalb klarer Favorit, das Rennen zu gewinnen, falls es ihm gelingt, den letzten Stein zu befreien. Das 3 Punkte Board von Weiß ist nicht stark genug, um ein Doppel zu rechtfertigen.

Johannes Levermann doppelte, verlor 4 Punkte nach Redoppel-Take und konnte den resultierenden Rückstand im Match nie mehr aufholen.

Kent Goulding gewann die Czech Open II auf Grund exquisiter Zugtechnik. Gratulation Kent!


Pos. 4: 11 Punkte Match
K. Goulding (1) (Schwarz) - J. Levermann (2) (Weiß)
Weiß am Wurf. Wie lautet die korrekte Dopplungsentscheidung?

Die Ergebnisse der Czech Open II In Kürze:
Champions (86)
Main: 1. Kent Goulding (USA) 2. Johannes Levermann (D)
3. Dimitrios Pappas (GR) 3. Mario Sequeira (POR)
Consolation: 1. D. Jersov (RUS) 2. Rageb Shadallah (CUB)
Last Chance: 1. Gianni Bizarro (ARG)

Intermediate (28)
Main: 1. Gerhard Fabian (D) 2. Peter Winkler (A)
3. Birgit Scheuerling (D) 3. Kazuku Numazawa (JPN)
Consolation: 1. David Asplund (SWE) 2. D. Schmitt (D)
Last Chance: 1. Kenneth Straarup (DEN)

Beginner (13)
Main: 1. Carmilla Plum (DEN) 2. Thomas Rückert (D)
3. Himoto Kidokoro (JPN) 3. Marlene Hansen (DEN)
Consolation: 1. Yunilda Esquivel (CR) 2. R. Wladasch (D)
Last Chance: 1. Martin Schwartz (D)

Warm-Up (59)
1. Karsten Nielsen (DEN) 2. Mike Senkiewicz (USA)

Superjackpot (16 - 2.000 DM):
1. Michael Higatsberger (A) 2. Mike Svobodny (USA)

Consultation Doubles (25)
1. Danielle Bastarache and Mike Corbett (USA)
2. Francois Tardieu and Moshe Elbaz (F)

Team (16)
1. Kenji Shimodaira (JPN), Kazuhiro Shino (JPN), Rageb Shadallah (CUB)
2.Phil Laak, Elliott Winslow and Jeremy Bagai (USA)

Lady´s Cup (12): 1. Louisa Dahlin (DEN) 2. D. Hansen (DEN)

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